Zahlungsverfahren: Online-Händler müssen die Kaufabwicklung anpassen

Was bedeuten PSD2 und das Geoblocking-Verbot für Zahlungsoptionen in Online-Shops?

Kreditkarte, PayPal, Lastschrift, Zahlung per Rechnung oder Sofortüberweisung – die Zahlungsmöglichkeiten für Online-Shopper beeinflussen den Kaufentscheidungsprozess erheblich. Dennoch unterschätzen die Ladenbesitzer immer noch die Bedeutung der Zahlungsoptionen und riskieren hohe Abbruchraten beim Einkaufswagen.

Der „PYMNTS.com Checkout Conversion Index“ zeigt an, dass 42 Prozent der Käufe während des Bestellvorgangs storniert werden, wenn die vom Kunden bevorzugte Zahlungsmethode nicht akzeptiert wird. Laut dem Bericht „Cross Border Transactions 2016 Merchant & Consumer Comparison“ stornieren 30 Prozent der Kunden die Transaktion noch früher, wenn ihre bevorzugte Zahlungsoption keine Option ist.

Deshalb müssen Einzelhändler eine Auswahl an verschiedenen Zahlungsmethoden anbieten, um den Kundenerwartungen gerecht zu werden und den Verkauf zu tätigen. Dies geschieht am besten mit fünf verschiedenen Zahlungsoptionen: Wallet, Rechnung, SEPA-Lastschrift, Online-Überweisung sowie Kredit- und Debitkarten.

1. Brieftasche: PayPal, Masterpass, Masterpass
2. Rechnung
3. SEPA-Lastschriftverfahren
4. Online-Übertragung: Sofortüberweisung, paydirekt, giropay
5. Kredit- und Debitkarten: MasterCard, Visa etc.

Die PSD2-Richtlinie bietet den Endverbrauchern mehr Sicherheit.

Um das Sicherheitsniveau für den europäischen Zahlungsverkehr zu erhöhen und den digitalen Wettbewerb zu erleichtern, trat im Januar 2018 die PSD2 (Payment Services Directive) in Kraft. Die neue Richtlinie führt strengere Richtlinien für Online-Kartenzahlungen ein. Elektronische Transaktionen müssen nun durch eine „Zwei-Faktor-Authentifizierung“ gesichert werden. Dies wird auch die Benutzerfreundlichkeit verändern, aber das ist nicht unbedingt ein Nachteil, wie das Beispiel der Kreditkarte zeigt:

Bisher mussten Kreditkarteninhaber eine 16-stellige Kartennummer, den Kartensicherheitscode auf der Rückseite (CVC-Code), das Ablaufdatum sowie einen 3D-Secure-Code eingeben, um Artikel online mit einer Kreditkarte zu bestellen, jetzt müssen die Karteninhaber bei Masterpass, dem MasterCard Wallet, nur noch eine E-Mail-Adresse, ein Passwort und einen 3D-Secure-Code eingeben. Infolgedessen benötigen die Benutzer weniger Klicks, um für ihre Einkäufe zu bezahlen.

Für die Zwei-Faktor-Authentifizierung sind die Payment Service Provider (MasterCard, Visa, Paydirekt etc.) und Betreiber von Wallet-Systemen (PayPal, Amazon Pay etc.) verantwortlich. Zahlungsdienstleister müssen die neuen Zahlungsmittel auf ihren Plattformen anbieten.

„Letztendlich wird die Usability durch die neuen technischen Möglichkeiten immer besser. Beispiele wie Fingerabdruckscans oder Gesichtserkennung per Smartphone machen das Online-Shopping mit einem mobilen Gerät heute sehr komfortabel und einfach“, sagt Johannes F. Sutter, Head of E-Commerce Sales Germany bei SIX Payment Services (Germany) GmbH.

online zahlen

Marktöffnung und Verbot von Zuschlägen

Dennoch dürfte der Einzelhandel von der PSD2-Richtlinie finanziell profitieren: Der vorgeschriebene Zugang zu Online-Konten durch Drittanbieter könnte den Markt für neue Zahlungsdienstleister öffnen und so mehr Wettbewerb schaffen und Kosten senken. In der Zwischenzeit profitieren die Verbraucher von neuen digitalen Möglichkeiten, z.B. bei Bankdienstleistungen, die eine Zusammenfassung verschiedener Konten und Transaktionen bieten.

Darüber hinaus müssen die Endverbraucher durch das Verbot von Zuschlägen künftig keine zusätzlichen Gebühren für Überweisungen, Lastschriften oder Kreditkarten mehr zahlen. Dies gilt insbesondere für Kreditkarten wie MasterCard und Visa. Auch PayPal hat sich bereits freiwillig bereit erklärt, sich an diese Richtlinie zu halten.

Ein weiterer Vorteil für den Handel: Er kann selbst zum Zahlungsinitiierungsdienstleister werden, wenn er die Zustimmung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) einholt. In bestimmten Bereichen übernehmen Online-Händler und ihre Payment Service Provider anschließend Bankaufgaben. Dabei können sie Kartennetzwerke umgehen, eigene Transfers initiieren und Zahlungen in Echtzeit verfolgen.

Einzelhändler sollten sorgfältig alle Hinweise auf Transaktionsgebühren in ihren Online-Shops entfernen und die Systeme ändern, die automatisch eine Gebühr mit einer bestimmten Zahlungsmethode erheben. Andernfalls wird eine Verwarnung ausgesprochen.

Kundenfavoriten PayPal und Zahlung per Rechnung

Die jüngste ECC-Zahlungsstudie ergab, dass Rechnungsstellung, PayPal und Lastschrift die bevorzugten Zahlungsmittel der deutschen Online-Shopper sind. Derzeit geben 87 Prozent der Online-Shopper an, dass die Rechnungsstellung zu ihren bevorzugten fünf Zahlungsmethoden gehört. Fast 78 Prozent der befragten Verbraucher zählten PayPal zu den Top 5-Optionen.

Derzeit ist die Rechnungsstellung von der PSD2-Richtlinie nicht betroffen, so dass theoretisch noch zusätzliche Gebühren erhoben werden können. Ob das Verbot von Zuschlägen auch die Zahlung per Rechnung betrifft, ist jedoch noch auslegungspflichtig. Hier stellt sich die Frage, wie der Kunde tatsächlich Zahlungen leistet. Bezahlt er per Kreditkarte, Banküberweisung, Lastschrift oder PayPal? Mit anderen Worten, die Zahlungsmittel der Zahler.